Das historische Kennzeichen für technisches Kulturgut
 

 

Die Diskussion um das technische Kulturgut - sprich das H-Kennzeichen - kam das erste Mal auf,  nachdem ich mit viel Aufwand meine Eintragungen für die Zweivergaseranlage, Auspuff und  Felgen/Reifen bekommen hatte. Zunächst schien die Pauschalsteuer von 375,-  nicht so interessant zu sein, da der Käfer mit 1200ccm dank Stinkersteuer auf knapp 500,- Steuern pro Jahr kam und die Prüfung zur Anerkennung eines Oldtimers sowie der Verwaltungsakt beim Straßenverkehrsamt auch nicht gerade umsonst sind. So habe ich zunächst bei jeder Hauptuntersuchung nach bestandener Prüfung eher halbherzig mal nachgefragt, ob ich den so ein Kennzeichen erhalten könnte und habe stets eine Ablehnung bekommen, mit der Begründung, daß die 2-Vergaseranlage ja schon vor 20 Jahren hätte eingetragen sein müssen und die Räder seien ja auch nicht original. Ich konnte das irgendwie nicht einsehen - war ich doch immer bedacht gewesen, Teile zu verbauen, die es schon gab, als mein Käfer noch nahezu ein Neuwagen war (ok ok - die Riechert Schlangen lasse ich als einzigen Ausreißer mal außen vor ;-), obwohl die mittlerweile auch schon 30 Jahre alt sind) und so hatte ich das Thema immer im  Hinterkopf und griff jegliche Quellen auf, die sich mit dieser Materie beschäftigte. Dann stand die nächste Steuererhöhung für 2001 und auch die nächste Hauptuntersuchung an und das spornte mich dann doch an, der Sache mal richtig auf den Grund zu gehen. Also habe ich den Wagen wie immer auf den TÜV vorbereitet, Originalbereifung und einen Originalauspuff montiert und die Riechert-Schlangen zum Vorzeigen und Austragen (?) in den Kofferraum gelegt. Das 'breite' Porsche - Ersatzrad habe ich zwecks Vorführung an seinem Platz gelassen. 
 
 

So bin ich, bewaffnet mit dem TÜV-eigenen Anforderungskatalog (den sollte man auf jeden Fall von der Hompage des TÜV Süddeutschland runterladen , ausdrucken und mitnehemen - man kann nicht erwarten, daß jeder Prüfingenieur den genau kennt) und dem alten 'Jetzt mache ich ihn schneller' Buch (meins ist 3. Auflage von 1966) und diversen weiteren alten Büchern und Zeitschriften sowie Fotos von 'H-Käfern' beim TÜV vorbeigefahren, um zunächst mal die Chancen auszuloten. 
 
 


Mein zeitgenössischer Umbau : zwei Solex 34PCI mit 30 PS Luftfilter ...

.. wobei der rechte einen Anschluß für die Kurbelgehäuseentlüftung hat (ab '65)

Ein junger TÜV- Ingenieur war sofort bereit, sich die 'Sache' mal anzuschauen. Als wir auf meinen Käfer zugingen und ich vorsichtig bemerkte, daß der aber durch einen zeitgenössischen Umbau nicht ganz im Serienzustand sei, kam spontan zurück : 'Jetzt kommen Sie mir aber nicht mit 'ner Doppelvergaseranlage ?!?!' - irgendwie schien er den Braten gerochen zu haben ;-) . Aber er winkte dann nicht einfach ab, sondern hörte geduldig zu, was ich ihm zu sagen hatte und schaute auch interessiert in die Bücher und Zeitschriften, die ich mitgebracht hatte - den Nachweis, daß ein Umbau zeitgenössisch ist, muß man nämlich selber irgendwie erbringen, am Besten eben über entsprechend alte  Literatur oder Ähnlichem. . 

In dem Buch steht, daß Decker damals Zweivergaseranlagen für den 1200ccm, 34PS Motor mit den 28 PCI Vergasern vom 30PS Motor als auch auf Wunsch mit den größeren 34PCI Vergasern, wie sie z.B. im NSU Prinz oder dem BMW 700 verwendet wurden, lieferte (siehe Bild).
Deweiteren wird die entsprechende Anlage von Riechert 'Speed-Rex' und auch die Express-Anlage der Firma Autotechnik beschrieben, die aber maximal mit 2 32PCI Vergasern arbeitet.
Danach war auch er davon überzeugen, daß der Umbau auf TDE 34PCI Zweivergaseranlage und auch die Ausrüstung mit den alten 356er Felgen nebst 165ern durchaus zeitgenössisch ist und vor allem so auch dem Anforderungskatalog entspricht. Dort steht nämlich, daß ein zeitgenössischer Umbau, auch wenn er nicht schon vor 20 Jahren vorgenommen wurde, positiv begutachtet werden kann. Umbauten am Vergaser sind sogar ausdrücklich erwähnt. Um die daraus entstehenden 6 PS Mehrleistung zu rechtfertigen, habe ich argumentiert, das ich laut Anforderungskatalog jeden Motor einbauen kann, den es für den VW Typ 11 gab und der mindestens 30 Jahre alt ist - das würde bedeuten, daß ich eine Serienmaschine mit 1600ccm und 50 PS - also 10 PS und 400ccm mehr als bei meinem Motor - problemlos in meinem Wagen begutachtet bekomme, obwohl die der Originaloptik eines 61ers mir Klappenheizung so gar nicht entspricht. Das trifft auch für Fremdmotoren des gleichen Herstellers zu, die ebenfalls eingebaut werden dürfen, wenn sie mind. 30 Jahre alt sind - ich möchte hier nur den Typ4 Motor erwähnen. Auch ein Artikel aus der WOB! (10/99) über einen leistungsgesteigerten 63er Käfer mit eingetragenem Judson-Kompressor und H-Kennzeichen unterstütze meine Begehren. Außen und Innen war von ihm Originalausstattung gefordert.  Laut Anforderungskatalog ist ein ein Zustand von mindestens 3 erforderlich. Ich erwähnte, daß das noch der erste Lack ist (zumindestens so um die 90% ;-) ), und daß die Innenausstattung auch ganz original und top erhalten sei und machte auf alte Mehrausstattung wie Faltschiebedach, Ausstellfenster, Blaupunktdrucktastenradio und Kofferraumabdeckung aufmerksam. 
Dazu zeigte ich noch die nebenstehenden Fotos eines Käfers etwa gleichen Baujahres mit dem begehrtem Kennzeichen ...
Ein Hinweis auf den Räderkatalog des TÜV, nachdem Räder/Reifen, die dort für das betreffende Fahrzeug enthalten sind, positiv begutachtet werden können, half ebenfalls weiter. Die 165er Reifen auf einer 4.5J Lemmerz Felge, die ich zusätzlich eingetragen habe, sind in obigem Buch sogar mit der Erläuterung erwähnt, daß man sie als Zubehör beim VW-Händler bestellen konnte :
 
Hier ist ein Stahlgürtelreifen im Maß 155 SR 15 auf der originalen 4Jx15 Felge montiert. Sie gelten als moderner Ersatz für die alten Diagonalreifen der Größe 5.60-15 und werden als 'Sicherheitsplus' auf jeden Fall positiv begutachtet.
Eine alte Aufnahme einer Porsche 356 Felge Lemmerz 1585, 4,5 Jx15, ET 25 , wie sie im Reifenkatalog für den Käfer mit 5-Loch Trommeln steht. Sie verbreitert die Spur und die Bremsenkühlung ist besser. Eine baugleiche Felge gab es auch von KPZ, erkennbar an den etwas eckigeren Löchern.
Nebenstehende Felge, bestückt mit einem Vredestein 165 SR 15. Bis zu zwei 'Nummern' größer als Serie wird akzeptiert. Ein Vorteil dieser Kombination ist, daß man ein vollwertiges Erstzrad in der Reserveradmulde mitführen kann.

Danach hat sich der Ingenieur den Wagen auf der Grube angesehen, um festzustellen, daß blechmäßig kein Flickwerk vorliegt. Der Ölkühler, der von Außen unsichtbar vor der Vorderachse hängt, wurde nicht bemängel - warum auch : das hat man beim Käfer schon vor Ewigkeiten so gemacht. Danach war er bereit, den Wagen als Oldtimer positiv zu prüfen. Dummerweise war der Motor an der Riemenscheibe ziemlich am Ölen (eigener blöder Fehler - da hatte ich ein paar Tage vorher dran rumgefummelt und wollte mir das Neulackieren der Scheibe sparen und hatte eben schnell eine andere montiert, die natürlich KEIN Übermaß hatte, wie an dem Motor nötig :-( ), so daß er mich erst nochmal nach Hause geschickt hat. Das hat aber bis hierhin keinen Pfennig gekostet ! Ein paar Tage später bin ich dann nochmal hin. Leider war 'mein' Prüfer da gerade mit einem riesigen LKW beschäftigt, so daß ein anderer nach kurzer Rücksprache mit ihm meinte, er könne das auch machen. In der Erwartung jetzt nochmal alles erklären und überzeugen zu müssen, öffnete ich die Motorhaube. Jetzt war ich an einen 'alten Hasen' geraten : er meinte nur nach einem kurzen Blick 'Kenn ich doch. 34PCI ?'. Ich (für einen Moment sprachlos) '... Ja ...' . Weiter: 'Wenn der sonst o.K. ist, kein Problem'. Er hat dann zunächst die normale Hauptuntersuchung durchgeführt (kennen wir ja alle) und mir dabei noch ein paar wirklich  gute Tips zum 'drauf achten' gegeben. Es ist übrigens aus zwei Gründen geraten, die Prüfungen zusammen machen zu lassen : 1. die Hauptuntersuchung darf nicht länger als zwei Monate zurückliegen und 2. man bezahlt so nur einmal. Er meinte dann 'Trinken 'se noch 'ne Tasse Kaffee, ich mach' den Bericht  fertig'  - den Kaffee bekommt man dort übrigens umsonst :-) . Im Bericht steht nun unter 'Technische Besonderheiten von großer Bedeutung' der Eintrag : 'mit zeitgenössischer Zweivergaseranlage'. Die Untersuchung inkl. Bericht hat hier in NRW, Erftkreis 156,- gekostet Im Straßenverkehrsamt mußte ich noch mal 51,- für den Eintrag 'Fahrzeug gilt als Oldtimer; GutachtenNr. xxxx vom tt.mm.yyyy' im Brief und den neuen Schein löhnen. Der TÜV-Bericht wird hier übrigens einbehalten, man sollte sich das gute Stück also vorher kopieren oder um eine Kopie bitten (hat bei mir nach freundlicher Nachfrage geklappt). Dem bisherigen Kennzeichen wurde dann einfach ein 'H' angehängt, ein ganz neues Wunschkennzeichen hätte 70,- (!) extra gekostet (BM - VW 61H war aber sowieso nicht frei ), die Schilder haben mich nochmal um 55,- erleichtert. Es war nicht möglich, die alten Kennzeichen bekommen, da half kein Wimmern und Betteln :-( - man bekommt auf jeden Fall die neuen Euro-Kenzeichen, seit November 2000 sowieso. 
Ein Gag am Schluß : meine Riechert-Schlangen lagen ja  im Kofferraum und ich hatte auch bemerkt, daß ich darauf verzichten würde - sprich austragen, wenn es daran hängen sollte, montiert waren die Originalendrohre. Überraschenderweise hat sich der Eintrag aber nicht geändert.